Nervenstark!

Kenne, was dich schwach macht. Konzentriere dich auf das, was dich stark macht!

Suizidalität


Schnelle Hilfe wichtig: Suizidgefährdung ist gut behandelbar

Suizide können abgewendet werden und suizidgefährdeten Menschen kann nachhaltig geholfen werden, wenn Hilfe sie frühzeitig erreicht. In manchen Fällen kann bereits ein einziges Kriseninterventionsgespräch weichenstellend sein.

Suizide können abgewendet werden und suizidgefährdeten Menschen kann nachhaltig geholfen werden, wenn Hilfe sie frühzeitig erreicht. Es ist wichtig, mögliche Hinweise auf Suizidalität zu kennen, damit jeder bei sich selbst oder in seinem Umfeld die Warnsignale bemerken und eine Hilfestellung bzw. Behandlung rechtzeitig eingeleitet werden kann. Daneben ist es notwendig, dass vorbeugend Maßnahmen ergriffen werden, welche die Verfügbarkeit zur Ausübung von Suizid einschränken, denn auch hierdurch können Suizide abgewendet werden. „Menschen mit Suizidgedanken wollen in den allermeisten Fällen nicht sterben. Sie suchen einen Ausweg aus einem quälenden Zustand, und das eigene Leben zu beenden, erscheint Ihnen als einzig mögliche Lösung. Nur in den wenigsten Fällen basiert dieser Entschluss auf freiem Willen“, erklärt Frau Prof. Barbara Schneider vom Referat Suizidologie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). „Menschen in extremen Krisensituationen können vor lauter Leidensdruck eine Art «Tunnelblick» bekommen und zeitweise nur noch eingeengt denken. Daher sind sie auf Hilfe von außen angewiesen und sollten möglichst unmittelbar professionelle Unterstützung erhalten. Suizidale Krisen treten oft vorübergehend auf und Suizidgefährdung ist über verschiedene Ansätze meist gut behandelbar.“ Wenn man unsicher ist, ob jemand suizidal ist oder nicht, sollte man die Person danach fragen. Es ist keineswegs so, dass man jemanden erst dadurch auf die Idee bringt, an Suizid zu denken. Tatsächlich gibt man dem Menschen dadurch eine Gelegenheit, über Gefühle, Ängste und seine Not zu sprechen und somit seine persönlich erlebte Last zu verringern. Aktiv den Kontakt suchen und Suizidgedanken ansprechen ist eine wichtige Hilfestellung.
Mögliche Hinweise auf Suizidalität erkennen

Die Gründe, warum sich Menschen das Leben nehmen wollen, sind sehr komplex. In vielen Fällen besteht eine Verschlechterung einer psychischen Erkrankung – oft einer Depression – oder eine akute Lebenskrise. Suizidgefährdete Menschen können Hinweise und Zeichen an die Menschen im Umfeld geben, auch wenn diese nicht immer auf den ersten Blick erkennbar sind. „Es können Verhaltensänderungen bemerkt werden, wie Rückzug und Abschottung oder vermehrter Alkohol- und Drogenkonsum. Betroffene beginnen manchmal, ihre persönlichen Angelegenheiten zu regeln, schreiben einen Abschiedsbrief, bedanken sich bei ihrem Umfeld oder verschenken ihre Sachen“, berichtet Prof. Schneider. „Daneben können Äußerungen zu bestimmten belastenden Gefühlen, wie Schuldgefühlen, Hilflosigkeit, Ausweglosigkeit, Einsamkeit und mangelnder sozialer Zugehörigkeit als verbale Hinweise bemerkt werden.“
Ein Kriseninterventionsgespräch kann bereits hilfreich sein

Ein Notfall besteht dann, wenn der Gefährdungszustand akut ist und man besorgt ist, dass man sich selbst oder jemand anderes sich etwas antut. Erster Ansprechpartner kann der behandelnde Arzt sein. Suizidgefährdete Menschen können auch einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder auch eine psychiatrische Klinik aufsuchen. Kommt es nachts zu einer Krisensituation kann umgehend die psychiatrische Notfallambulanz oder der ärztliche Notdienst aufgesucht werden. Bundesweit gibt es zudem eine Vielzahl von Beratungsstellen für Menschen mit Suizidgedanken. Eine Übersicht gibt die Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/adressen/). Es ist von großer Bedeutung, eine suizidgefährdete Person in einer akuten Krise nicht alleine zu lassen. „Suizidgefährdung ist über eine ganze Palette von Hilfsangeboten gut behandelbar. Neben einer geschützten stationären Unterbringung kann auch eine ambulante Betreuung möglich sein, und mit nachhaltiger sozialpsychiatrischer Unterstützung kombiniert werden. In manchen Fällen ist bereits ein einziges Kriseninterventionsgespräch weichenstellend“, betont die Expertin.

Suizide lassen sich zudem über verschiedene präventive Ansätze verhindern: So senkt ein erschwerter Zugang zu Tötungsmethoden die Suizidrate. Wer den Drang hat, sich umzubringen, dies aber nicht realisieren kann, weil ihm die Möglichkeiten dazu fehlen, hat die Chance auf einen anderen Weg. Versperrte Suizidwege können u.a. in Form von verkleinerten Medikamentenpackungen bestehen oder Zugangsbarrieren zu Suizid-Hotspots wie z. B. bestimmten Gebäuden oder Brücken. Im privaten Raum kann beispielsweise auf den Verzicht oder eine gesicherte Lagerung von giftigen Substanzen oder auch Waffen geachtet werden.

Grundsätzlich ist Suizidprävention eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die als Bürger alle angeht. Auch die Behandlung von psychischen Erkrankungen ist ein zentraler präventiver Aspekt. In Deutschland stehen bis zu 90 Prozent der Suizide in Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung, für die es effektive Therapien gibt.
Suizid ist kein gesellschaftliches Randphänomen. In Deutschland werden Jährlich rund 10.000 Suizide registriert, die Anzahl der Suizidversuche wird auf mindestens 100.000 im Jahr geschätzt (1). Am 10. September findet der Welttag der Suizidprävention statt, der von der International Association for Suizide Prevention (IASP) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerufen wurde.

(1) Nationales Suizid-Präventions-Programm für Deutschland, www.suizidpraevention-deutschland.de

(äin-red) Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.psychiater-im-netz.org. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des Patientenportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.